Kassen brauchen kranke Patienten

Mit der Einführung des Gesundheitsfonds werden die für die Gesetzliche Krankenversicherung bestimmten Gelder zentral eingenommen. Die Krankenkassen ziehen die Sozialversicherungsbeiträge (gut 200 Mrd € Beitragsgelder ) zunächst ein und übertragen sie an den Gesundheitsfonds, der vom Bundesversicherungsamt verwaltet wird. Die Krankenkassen erhalten sodann einen festen Betrag für jeden Versicherten, die sogenannte Grundpauschale. Je nach Krankheitsrisiko wird von dieser Pauschale abgewichen. Für 80 festgelegte Krankheiten (z.B. Diabetes, Depression, Hypertonie) gibt es einen erhöhten Risikostrukturausgleich. Für jedes Mitglied mit einer ausgleichsrelevanten Volkskrankheit erhält die Versicherung Zuschläge iHv durchschnittlich € 1000 pro Diagnose.

Die „Welt am Sonntag“ berichtet unter Berufung auf ihr vorliegende Verträge von einem besonders fragwürdigen System der Diagnose Optimierung: die Firma Anycare ruft im Auftrag der Krankenkasse Versicherte mit ausgewählten Krankheiten an und versucht sie zu überzeugen, baldmöglichst wieder einen Arzt aufzusuchen, auch wenn keine Beschwerden vorliegen. Dafür bekommt die Firma zwischen € 29 und € 39 pro Patient. Damit aus Versicherten nach mildem Herzinfarkt ein lukrativer Versicherter mit der Diagnose „behandlungsbedürftige Folge nach Herzinfarkt“ wird, werde dem Patienten Angst vor einem Reinfarkt gemacht. Das sei in 12,8 % der Fälle erfolgreich und bringt der Kasse in jedem dieser Fälle € 1000 mehr. Die Krankenkassen zahlen aber auch im Rahmen von Betreuungsstrukturverträgen an Ärzte Provisionen iHv € 10 pro Fall, wenn diese ihre Patienten auf dem Papier kränker machen. Da wird aus einer depressiven Stimmung schnell mal eine echte Depression, die pro Fall € 1000 mehr im Jahr erbringt. Laut „WamS“ zahle die Techniker Krankenkasse € 25, wenn der Arzt „sechs oder mehr Diagnosen unterschiedlicher Indikationsgruppen“ bescheinige.

Für diese fragwürdigen Maßnahmen geben die gesetzlichen Krankenkassen pro Jahr etwas mehr als eine Milliarde € aus, um ihre Versicherten so krank wie möglich zu machen. Das sind Beitragsgelder der Versicherten, die besser in die gesundheitliche Versorgung der Menschen angelegt werden sollten. Das System des Gesundheitsfonds mit seinen Fehlsteuerungen muss überdacht werden zugunsten eines transparenten Systems, das die tatsächlichen Kosten abbildet und ausgleicht.

Im Sinne der Patientinnen und Patienten

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